Huber/Klessmann/Habbel: Statebook vs. Facebook

Jens Klessmann, F.-R. Habel und Andreas Huber präsentierten “Strategien für Web 2.0 im öffentlichen Sektor”. Begonnen wurde die Session mit der Frage: “Macht es Sinn, Netzwerke im öffentlichen Sektor zu errichten?”. Unter dem Hintergrund von 4.2 Millionen Mitarbeitern in den Verwaltungen wird es wohlmöglich in Zukunft ein Statebook als Alternative zu Facebook geben, eines der mitgliederstärksten Social-Networks in Deutschland, so die Vision welche die anschließende Diskussion begleitete.

Praxis in deutschen Behörde ist der “Missbrauch der Email” als Diskussionsmittel und die Sperrung von Facebook bei häufiger Verwendung. Eine Yahoo Group zum Austausch über die Hartz4 Gesetzgebungen und Verordnungen ist da auch eher eine “verbesserte” Email-Kette als die wirkliche Etablierung von Web2.0 in der Verwaltungspraxis, wird eine erste Bestandsaufnahme schnell zusammengefasst. Es geht darum, ob ein mögliches Statebook eine Aufgaben- oder Querschnittsfunktion erfüllen soll, beteiligt sich einer der Anwesenden. Gemeint ist hierbei wohl, ob man eine solche Plattform nutzt um aufgabenspezifisch zu kollaborieren oder  um anforderungsübergreifend die Mitarbeiter miteinander zu verbinden. In jedem Fall ”muss man die Verwaltungsmitarbeiter von den Vorteilen überzeugen” um eine solche Plattform zu etablieren und der größte Vorteil ist eine mögliche Zeitersparnis in Verwaltungsabläufen und die Bündelung von Fachwissen in einem größeren Kontext.

Brauchen wir das?  Zusätzliche Arbeit statt Mehrwert? Werden die Mitarbeiter bereit sein ihr Wissen wirklich zu teilen, oder geht es oftmals eher darum die eigenen Wissenspfründe zu schützen? Das sind die Fragen die mit hoher Wahrscheinlichkeit aufkommen werden, konstatiert ein Teilnehmer. Ein weiterer springt an dieser Stelle für die Verwaltung in die Breche und verkündet: “Die Zeit ist reif, es gibt Verwaltungsmitarbeiter die miteinander kommunizieren wollen” und durch das stetige Nachrücken einer neuen Generation, auch in den Verwaltungsberufen, wird Web2.0 keines Frage des ob, sondern nur noch des wo sein.

Ganz hoffnungslos scheint der Fall also nicht zu sein und neben der “missbrauchten” Email gibt es durchaus auch schon Wikis im Einsatz, weiß man zu berichten. Beim Blogging enden die Möglichkeiten aber an der klassischen Anknüpfung von Web-Kommunikation an die Pressestellen der Behörden.  Ein Vorstoß für einen Gesundheitsamt-Blog ist wohl deswegen an der tatsächlichen Umsetzung gescheitert. Verständlich wenn jeder Beitrag erst vom Pressesprecher abgesegnet werden muss und durchaus öffentliches Konfliktpotential beinhaltet. An diesem Punkt muss man nun aber zwischen dem Bereich der internen und externen Kommunikation unterscheiden, um den Fokus in dieser spannenden Fragestellung nicht zu verlieren. Schwierig genug, wenn in vielen Bereichen Web2.0 als Pressemitteilung auf einer glänzenden Webseite verstanden wird. Und das gilt nicht alleine für den Public Sector. Der Blick für diese Thema muss sich vielmehr auch in die Verwaltungen hinein richten. Und neben die Frage wie man in Zukunft mit dem Bürger kommunizieren will, muss die Frage wie man intern miteinander kommuniziert dazu kommen. Hierfür muss die bestehende eGovernment-Strategie programmatisch, auch gerade auf die Sichtweise in die Verwaltung hinein, ausgebaut werden. “Wollen wir miteinander reden?” stellt ein Teilnehmer  die abschließende Frage zu diesem Thema und appelliert an die Bereitschaft und Offenheit die neuen Möglichkeiten auch verwaltungsintern zu denken und anzunehmen.

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