Radikale Transparenz („radical transparency“) ist ein Managementansatz, der prinzipiell darauf abzielt alle Prozesse der Verwaltung und alle politischen Prozesse (vom Problem bis zur Umsetzung von Lösungen) für die Öffentlichkeit offenzulegen. Radikale Transparenz zielt darauf ab, einerseits die Legitimität der Prozesse in Verwaltung und Politik zu erhöhen. Andererseits will man die sogenannte „Operational Capacity“ erweitern d.h. die Ressourcen (z.B. Manpower, also Menschen/Bürger) vergrößern. Entscheidend ist dabei auch, dass diese Ressourcen anders kombiniert werden können. So können im Internet kollaborierende Communities entstehen, die für die Politik oder Verwaltung an Problemen arbeiten. Im Idealfall löst die veränderte „Operational Capacity“ (OC) eine Kooperation und Kollaboration der Bürger aus, die dem Staat viele Aufgaben abnimmt. Offensichtliche Vorteile dessen sind einerseits Kostenersparnis auf der OC-Seite und eine Art Basisdemokratisierung auf der Legitimitätsebene. Außerdem kann durch dieses „Crowd-Sourcing“ ein aus aktiven Bürgern bestehender Ideenpool entstehen, der zu besseren politischen Lösungen führen kann: Sowohl Kostenersparnis wie mehr Ideen, die zu besseren Lösungen führen, können somit unter Bedingungen der radikalen Transparenz zu einem echten Mehrwert für die Verwaltung und Politik führen.
Der Begriff „radikale Transparenz“ meint allerdings keine Anarchie. Die Aufgabe für die Politik bleibt es, die kollaborativen Prozesse zu strukturieren und gegebenenfalls zu steuern. Wie in der Diskussion klar wurde, bedeutet radikale Transparenz also nicht unbedingt, dass die Politik (oder dann z.B. der Politiker als Communitymanager) an Macht verliert. Es ist richtig: im traditionellem Sinne verliert sie Macht. Durch die Kontrolle über die Prozesse kann sie aber das Outcome der Prozesse durchaus beeinflussen.
Da damit der Gestaltung der Partizipations-, Kooperations- und Kollaborationsprozesse eine zentrale Rolle zukommt, müssen diese Prozesse so gestaltet werden, dass sie effektiv und effizient sind. Dabei muss beachtet werden, dass einerseits die Bürger motiviert werden zu partizipieren, andererseits aber auch die Politik/Verwaltung lernt, mit dem neuen „Input von der Basis“ umzugehen.
Was wohl klar erscheint, ist dass Menschen grundsätzlich dazu bereit sind konstruktiv an Projekten teilzunehmen – auch in Deutschland wie Pilotprojekte zeigen. Die großen Fragen bleiben jetzt:
In welchen Bereichen ist es möglich radikale Transparenz anzuwenden? Wo ist es möglich den Bürger zu beteiligen?
Wie gestaltet man die Partizipation von Bürgern effizient, um zusätzliche „Public Value“ zu schaffen?

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