Wie sollte ein globaler unmoderierter Online-Austausch aussehen? Mit dieser Frage wurde das Thema „e-Demokratie“ von Jan Linhart und Ingmar Redel (echologic.org) eingeleitet. Fragen wie diese und über die Möglichkeiten von Informations- und Telekommunikationstechnologie (ITK) sind wichtig um eine Plattform so aufzubauen, dass sie auch die Meinungen und Ideen von zukünftigen Teilnehmern reflektiert und miteinbezieht. Ein weiterer Punkt ist, dass unsere Demokratie in der Krise steckt, da Entscheidungsprozesse nicht genügend transparent sind und Bürger immer mehr von einem Gefühl der Machtlosigkeit betroffen sind. Um die Diskussion über e-Demokratie anzuregen, haben Linhart und Redel das Thema strukturiert, indem sie die Möglichkeiten und Grenzen von ePartizipation vorstellten.
Möglichkeiten:
- Die Bedeutung des World Wide Web steigt: Das „Web 2.0“ ermöglicht als globales und interaktives Medium den Start eines transkulturellen Dialogs
- Soziale Medien ermöglichen die Individualisierung von Information, die kollektive Bewertung von Inhalten und kollektive Aktionen
- Parteiunabhängigkeit, Open-Source, Non-Profit und Dezentralisierung
- Spuren von kollektiver Intelligenz sind erkennbar (Wikis)
- Heutige Ansätze bestehen aus lokalen e-Partizipationen und e-Petitionen
Grenzen:
- Offene Diskussionen ergeben keine strukturierten Ergebnisse
- Unordnung, Datenfluten und schlechte Skalierbarkeit (Teilnehmerzahl beschränkt)
- Probleme in der technischen Umsetzung und aufwendige Prozesse
- Bis jetzt finden Diskussionen nur in moderierten Foren statt
- Negative Korrelation zwischen den Teilnehmern und Teilnahme
- Missverständnisse über Bedeutung von ePartizipation und e-Demokratie
- Semantik über Ontologien nicht für mehrsprachige Debatten anwendbar
- Sozio-politische Grenzen
- e-Partizipation = e-Konsultation: beschränkter Einfluss auf Entscheidungen, wodurch geringe Motivation für Bürger ensteht
- Bindende politische Entscheidungen (legislation) im Netz nicht möglich: Ausschluss zivilgesellschaftlicher Initiativen und Aktionen
Was muss getan werden:
- Kollektive Intelligenz durch demokratische Prozesse herstellen, in dem Stellungnahmen in einem demokratischen Prozess und ohne permanente Moderation bezogen werden können
- „Gute“ Skalierbarkeit errichten
- Sprachübergreifende Semantik, die umsetzbar ist
- Einbindung zivilgesellschaftlichen Engagements
- Motivation – dazu werden konkrete Handlungsmöglichkeiten gebraucht um aktive Teilnahme zu animieren
- Offene Demokratie für alle sollte transparent und transkulturell sein
- Aktionen und Projekte im Netz sollten legislative Prozesse einleiten
- Durch offenen Diskurs eine virtuelle Meinungsbildung ermöglichen
Diese Strategien, so erhoffen sich Linhart und Redel, könnten dazu führen letztendlich die Brücke zwischen Aktion und Gesetzgebung (Legislation) zu schließen. Eine Beteiligung von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen auf ihrem Online-Projekt würde dann auch die Entwicklung von einer „echocracy“ hervorrufen. Dieses Bestreben kann jedoch ohne den Input von zukünftigen Teilnehmern nicht funktionieren. Deshalb sollte jeder bei dem Aufbau des Projektes mitwirken. Strategievorschläge, kritische Punkte, und Fragen sind auf dieser Seite www.echologic.org willkommen.

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